Am Montag, 18. März, wurde in der Schweizer Bauernzeitung ein Artikel publiziert mit dem Titel «Windräder als Todesfalle für Insekten». Darin wird von «Agrarheute» eine «Modellanalyse» zitiert, die deutsche Windräder für den spürbaren Rückgang der Insekten mitverantwortlich macht. Wir haben doch noch nicht den 1. April?!?

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Foto: © #LebenStattGift

Das ist doch Ironie pur: Unsere Schweizer Bauern versprühen Jahr für Jahr mehr als 2000 Tonnen hochaktive synthetische Gifte auf ihre Felder, in unsere Natur. Einmal ausgebracht, werden sie früher oder später weggespült vom Regen. Landen meist in Fliessgewässern, wo sie weiterhin das tun, wofür sie im Reagenzglas erschaffen worden sind: Töten: Pilze (Fungizide), Pflanzen (Herbizide) oder eben Insekten vernichten in allen Stadien derer Entwicklung (Insektizide). Oder sie sickern in unser Grundwasser, verseuchen dort unser Trinkwasser (21 Prozent der Trinkwasserfassungen der Schweiz haben bereits jetzt Pestizidrückstände von über 0,1 μg pro Liter Wasser, bei 57 Prozent der Trinkwasserfassungen wurden Pestizide oder deren Abbauprodukte nachgewiesen!).
Hier der entsprechende Link des Bundesamts für Umwelt BAFU.

Diverse Studien beweisen: Wir haben ein grosses Problem mit Gift im Wasser

Unabhängige Forschungen in der Schweiz haben betreffend Pestiziden in Fliessgewässern erschreckende Ergebnisse zutage gefördert: Das über einen längeren Zeitraum beprobte Wasser mehrerer kleiner Schweizer Bäche war teilweise selbst über längere Zeiträume akut toxisch, sodass sich sogar die eigentlich äusserst widerstandsfähigen Bachflohkrebse aufgrund des sie umgebenden Giftcocktails nur noch lethargisch verhielten. Ebenso ist die Biomasse der Insekten hüben wie drüben spürbar zurückgegangen.

In einer erst gerade veröffentlichten Meldung (hier gehts zur Newsmeldung) haben Forscher zudem herausgefunden, dass unsere Landwirtschaft gar einen negativeren Einfluss auf unsere Fliessgewässer hat als Kläranlagen, was die Tierwelt angeht.

2017 wurden vom WWF zwölf Forellen und Alet aus der Engelberger Aa (NW), der Surb (AG), der Limpach (SO) und der Urtenen (BE) in unabhängigen Laboren auf Giftrückstände untersucht. Auch hier das erschreckende Ergebnis: In allen beprobten Fischen konnten Pestizide oder deren Abbauprodukte nachgewiesen werden!

Ziel: Vom eigentlichen Problem ablenken

Die Taktik der «Bauernzeitung» ist ein Mal mehr offensichtlich: Man will vom eigentlichen Problem ablenken, anderen den «schwarzen Insektentod-Peter» in die Schuhe schieben. Bereits mit der Forderung, der Bund soll abklären, was für den Insektenrückgang verantwortlich ist, wollen die Bauern Zeit schinden, versuchen abzulenken. Weswegen Zeit schinden? Vor den Volksabstimmungen zu den beiden erfolgreich zustandegekommenen Initiativen «Trinkwasserinititative» und «Pestizidinitiative» wird’s niemals verlässliche wissenschaftliche Studien zum Insektenrückgang geben. Das wird uns dann im Abstimmungskampf von den Bauernvertretern um die Ohren gehauen («Man kann uns doch die Pestizide nicht verbieten, ohne dass man zweifelsfrei nachweisen konnte, dass diese für das Insektensterben verantwortlich sind!»).

Und nun geht man auf Bauernseite in die Offensive, indem man deutsche Windräder zur «Todesfalle» für 24’000 Tonnen Insekten-Biomasse erklärt. Dass es sich bei diesen Aussagen (die im Artikel wie eine wissenschaftliche Studie daherkommen) um ein rein theoretisches Konstrukt von «Agrarheute» handelt (im Online-Bericht «Modellanalyse» genannt), das in keinster Art und Weise auch nur im Ansatz bewiesen ist, wird nur am Rande erwähnt – nämlich im letzten Satz (es bräuchte nun Studien im Feld, um diese Berechnungen nachzuprüfen).

Ebenso wird ausgesagt, dass «Windräder nicht die einzige Ursache für das Insektensterben» wären. Wäre es nicht todtraurig, müsste ich spätestens jetzt herzhaft lachen…

Hier gehts zum Online-Artikel der «Bauernzeitung».

Was meinst Du dazu? Hinterlasse mir einen Kommentar, ich bin gespannt!

 

Bauern sind wichtig!
Mit dem zitierten Bericht in der «Bauernzeitung.ch» wird die Idee von «Agrarheute», einem «neuen deutschen Fachmagazin für die Landwirtschaft» (verlegt vom Deutschen Landwirtschaftsverlag) ohne je bewiesen worden zu sein als Argument gegen die kommenden Abstimmungen missbraucht. Ich frage: Was soll das?

Nicht, dass Du mich falsch verstehst: Die Schweizer Bauern sind immens wichtig für unser Land und sehr wertvoll! Ich bin auch tief überzeugt, dass der Grossteil unserer Bauern nicht aus Freude Gift auf seine Felder sprüht. Sie kennen es nicht anders und haben Angst, dass sie um ihre Existenz bangen müssten ohne Pestizide. Und dennoch: Die Augen zu verschliessen vor den horrenden Auswirkungen der Pestizidbelastung ist in meinen Augen weder zielführend noch verantwortungsvoll.

Deshalb unterstütze ich – ohne irgendein wenn und aber – die beiden dringend nötigen Volksinitiativen («Trinkwasserinititative» und «Pestizidinitiative»). Du auch?

Mit einem kräftigen Fischergruess, Dompy

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