Wenn die «alten» Fischer zu erzählen beginnen, wie es bei ihnen lief in Sachen Fischfängen, stellen die jüngeren solche Aussagen meist schwer in Frage. Kaum vorstellbar, dass solche Fangzahlen der Wahrheit entsprechen können! Und dennoch: Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Und machen durchaus auch Angst.

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Die Bachforellenfänge nahmen in der Zürcher Limmat in 30 Jahren (1987 bis 2017) um über 90 Prozent ab! Foto: ©Dompy

«Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selber gefälscht habe», soll bereits Winston Churchill verschmitzt lächelnd gesagt haben. Nun, eine Statistik mag durch die gewählte Präsentationsart über Tatsächliches hinwegtäuschen können – «nackte» Zahlen hingegen tun dies meist nicht. So ist beispielsweise überliefert, dass die Angel-Fischer aus der Limmat (auf Zürcher Boden) 1987 noch 1991 Forellen erbeutet haben. 30 Jahre später waren es gerade einmal noch 177 Forellen. Das ist ein Rückgang von 91,1 Prozent in 30 Jahren! Besonders sticht dabei der Fangrückgang zwischen den Jahren 1990 (1601 Forellen) und 1993 (401 Forellen) ins Auge. Danach «dümpelten» die Fangzahlen meist um die 500er-Marke herum. Auch bei den Äschen ist der Rückgang dramatisch: Konnten 1987 noch rund 700 der stolzen Fahnenträgerinnen erbeutet werden, war es das Jahr 2011, als die Fischer zuletzt mehr als 100 gefangene Tiere notierten.

Im argauischen Teil der Limmat sehen die Zahlen vergleichbar mies aus: Wurden im Jahr 1996 (dem Beginn der aargauischen Fischfangstatistik) noch 615 Forellen und 89 Äschen erbeutet und eingeschrieben, waren es 2017 gerade einmal noch 44 Forellen und neun Äschen.

Die Suche nach den Gründen

Welches genau die Gründe sind, die für diesen immensen Rückgang unserer Fische verantwortlich gemacht werden müssen, ist unter Forschern umstritten und immer wieder Grundlage von heftigsten Diskussionen unter Fischern. Man geht heute davon aus, dass kein einzelner Faktor für den dramatischen Fischrückgang verantwortlich ist. Die immense Belastung des Wassers mit Landwirtschaftsgiften (synthetische Pestizide) schädigen nicht nur die Fische direkt (indem sie sich in den Fortflanzungsorganen der Fische ablagern), sondern vernichten auch nachhaltig Insekten, Klein- und Kleinstlebewesen im Wasser. Und damit die Nahrungsgrundlage der Fische.

Aber auch die Begradigungen von Fliessgewässern sowie die diversen Verbauungen mit Wasserkraftwerken, die für die Fische faktisch unüberwindbar sind (auf 36 Kilometern Limmat sind ganze neun Wasserkraftwerke verbaut!), tragen das ihre dazu bei. Dazu kommt, dass durch die Erwärmung unseres Klimas sowie das Fehlen von Uferbepflanzung auch die Wassertemperatur ansteigt – für kälteliebende Fische wie Forellen und Äschen gefährlich bis sogar tödlich.

Was tut der Mensch?

Der Mensch hat es in der Hand, etwas zu ändern. Einerseits wird im Gewässerschutzgesetz gefordert, dass bis im Jahr 2030 sämtliche Wanderhindernisse für Fische ausgemerzt sein müssen. Nur: Weder die Finanzen dafür sind da (respektive reichen niemals aus), noch ist die technische Machbarkeit – das «wie geht das, wie machen wir das» – gesichert. Bisher haben nämlich die Wasserkraftwerke selber daran «herumgepröbelt», wie Fische die Turbinen überwinden können. Mit dem einzigen «Ergebnis», dass bisher noch kein Ergebnis gefunden werden konnte. Letzten September wurde Bundesrat und Parlament vom SFV (Schweizerischer Fischerei-Verein), WWF und Aqua Viva eine Petition übergeben (mit über 33’000 Unterschriften), die verlangt, dass es nun endlich vorwärts geht in dieser Frage. SVP-Nationalrat Lukas Reimann gab parallel dazu eine Anfrage im Parlament ein.

Pestizide: Nach wie vor ein grosses Problem!

Bei den Pestiziden ist es so, dass es mittlerweile bewiesen ist, dass bereits in jeder zweiten Trinkwasserfassung der Schweiz (bei 57 Prozent) Pestizide oder deren Abbauprodukte im Trinkwasser nachgewiesen werden konnten. Und bei jeder fünften Fassung gar die Höchstwerte für einzelne Pestizidbestandteile überschritten worden sind. Zwei voneinander unabhängig zustandegekommene Volksinitiativen wollen dieses Problem auf unterscheidliche Weisen lösen. Werden sie angenommen, dürfte zumindest (nach der Übergangsphase) das Problem der Landwirtschaftsgifte in unseren Gewässern schnell abnehmen.

Ich persönlich sehe die Pestizidbelastung unserer Gewässer übrigens auch als – für mich – logischen Grund dafür, dass der heutige Besatz – auch wenn ausschliesslich mit autochthonen Stämmen besetzt wird, keine Verbesserung bringt: Wenn keine Futtertiere da sind (weil von den Pestiziden aus der Landwirtschaft wirkungsvoll vernichtet), von der sich die Fischbrut ernähren kann, nützen auch ein paar hunderttausend kleiner Fische nichts – sie alle werden verhungern!

Hoffe auf Einsicht
Von den Cree-Indianern stammt folgende Einsicht: «Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fisch gefangen und der letzte Fluss vergiftet ist, wird der Mensch erkennen, dass man Geld nicht essen kann.»

Ich hoffe, dass wir das ein wenig früher erkennen…

Mit einem kräftigen Fischergruess, Dompy

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