In Süssgewässern wimmelt es nur so von Blaualgen, die einen Mix aus verschiedensten Substanzen herstellen. Über die gesundheitlichen Risiken dieser Stoffe ist noch wenig bekannt. Literaturrecherchen der Eawag-Forscherin Elisabeth Janssen belegen nun aber potentiell schädliche Wirkungen.

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Burgunderblutalgen (Planktothrix rubescens) im Hallwilersee. Foto: © Sabine Flury, eawag

Zwischen Frühling und Herbst, wenn sich die Seen erwärmen und die Nährstoffkonzentrationen zunehmen, kommt es weltweit immer wieder zu Algenblüten – einem massenhaften Auftreten von Blaualgen. Auch in der Schweiz, etwa im Baldegger- oder Greifensee. Dies kann problematisch sein, denn manche Blaualgen, in der Wissenschaft bekannt als Cyanobakterien, produzieren giftige Stoffe. Wenn Menschen in einem von Algenblüten betroffenen See baden oder das Wasser schlucken, können bereits geringe Mengen dieser Gifte zu Hautirritationen, Erbrechen oder Durchfall führen. Für Wasserorganismen wie Flohkrebse können sie sogar tödlich sein. Doch neben den bekannten Giften produzieren Blaualgen noch unzählige weitere Substanzen, die wissenschaftlich kaum untersucht sind.

Wie eine umfassende Literaturstudie von Elisabeth Janssen zeigt, galt das Interesse der Forschung bisher fast ausschliesslich einer bestimmten Stoffklasse: den Microcystinen. Mit ihnen und ihren Risiken befassen sich mehr als 90 Prozent aller Studien. «Dabei sind die Microcystine nur die Spitze des Eisbergs», sagt Janssen. Denn mehr als die Hälfte der von Blaualgen produzierten Stoffe sind keine Microcystine. Dass diese jedoch ebenfalls ein Risiko für Mensch und Tier darstellen können, belegen die Nachforschungen der Umweltchemikerin: Gesundheitsschädliche Wirkungen konnten in einzelnen Studien bereits nachgewiesen werden. «Das zeigt, dass eine Risikoanalyse der übrigen Stoffklassen auch wichtig wäre», so Janssen.

Andere Forschende motivieren

Dabei könne man aber unmöglich jeden einzelnen Stoff untersuchen, es wären schlicht zu viele. Um aber das Feld einzugrenzen, schlägt die Forscherin vor, als erstes die häufigen und langlebigen Stoffe zu identifizieren, und diese anschliessend auf deren Giftigkeit zu testen. Und genau daran forschen Janssen und ihr Team derzeit intensiv.

Eine grosse Herausforderung ist dabei das Fehlen sogenannter Standards für die meisten Substanzen. Diese braucht es, um nachzuweisen, dass ein spezifischer Stoff in der Probe vorhanden ist. Existieren aber keine Standards, braucht es zusätzliche Untersuchungen. «Diese Arbeit ist sehr zeitaufwändig», erzählt Janssen, «bietet aber auch viel Potenzial, neue Zusammenhänge auf diesem Gebiet zu entdecken.»

Mit ihrer Literaturstudie hofft die Forscherin, mehr Umweltwissenschaftler auf dieses Thema aufmerksam zu machen und sie zu motivieren, daran zu forschen. Denn alleine sei die ungeheure Vielfalt an Substanzen, die von Blaualgen produziert werden, nicht zu bewältigen.

Quelle: eawag

 

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