Grauenhaft, wie wir uns manchmal selber mit unserer Sprache belügen! Daher präsentieren wir Dir schon jetzt, Anfang April, unser Unwort des Jahres 2019. Wir wissen, dass solche Auszeichnungen üblicherweise erst gegen Ende Jahr verliehen werden – aber «Fischernews.ch» wäre nicht «Fischernews.ch», wenn wir hier nicht auch einen anderen Weg einschlagen, abseits von bereits tausendfach ausgetrampelten Pfaden wandeln würden. Ganz gemäss dem Motto: «Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.»

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Bald kommen die «Trinkwasserinitiative» und die «Pestizidinitiative» zur Abstimmung. Daher ist es wichtig, Gifte als solche zu kennzeichnen und nicht von «PSM» zu sprechen. ©Dompy

Es hat eine lange Tradition, Dinge mit negativen Assoziationen unter Zuhilfenahme eines schön umschreibenden Wortes ins Positive zu wenden in den Köpfen der Menschen. So soll beispielsweise für das negativ behaftete Wort «Atomkraftwerk» lieber «Kernkraftwerk» verwendet werden. Denn das Wort «Atom» ist äusserst negativ behaftet. Achte mal drauf: Atomkraft-Befürworter sprechen praktisch ausschliesslich von Kernkraft . Die Gegner hingegen reden ausschliesslich von Atomkraft, während sie den in ihren Augen verharmlosenden Ausdruck Kernkraft meiden.

Pestizide – ethisch und moralisch völlig korrekt?

Genauso verhält es sich mit «Pflanzenschutzmitteln», abgekürzt «PSM». Bei jeder Gelegenheit wird dem Betrachter mit diesem verherrlichenden Ausdruck Sand in die Augen gestreut, und das Schlimmste: Alle machen wir mit! Sogar Pestizid-Gegner erwische ich immer wieder dabei, wie sie von «Pflanzenschutzmitteln» sprechen.
Was, bitteschön, soll denn ein synthetisch hergestelltes Gift, das ausschliesslich dafür entwickelt und produziert wird, mit Langezeitwirkung Kräuter (Herbizide), Pilze (Fungizide) oder Insekten (Insektizide) zu vernichten, mit «Pflanzenschutz» zu tun haben? Sind wir doch mal ehrlich: Wer unter uns ist denn schon dagegen, Pflanzen zu «schützen»? Jemand (oder etwas) vor etwas anderem zu schützen, das ist doch was Gutes, etwas, das man anstreben sollte?
Es ist doch offensichtlich: Mit dem «Unwort des Jahres 2019» wird nicht nur etwas Destruktives ins absolut Positive transferiert, sondern darüber hinaus auch noch unser moralisches Empfinden ganz direkt angesprochen. Jemanden zu beschützen, der Schutz benötigt (wie ein junges Pflänzchen auf dem Acker) ist etwas ethisch völlig korrektes, ja in Form von Nothilfe sogar vorgeschrieben? In dieser Art ist die Verherrlichung dieser Umweltgifte einmalig – ich zumindest konnte nichts Vergleichbares finden…

Achtet bitte auf Eure Wortwahl – sie bwirkt mehr als Ihr denkt!

Ich für meine Person verwende ganz bewusst das «fischernews.ch»-Unwort des Jahres 2019 «Pflanzenschutzmittel» nicht mehr – schon es hier zu schreiben bereitet mir Unbehagen. Weil ich mir bewusst bin, dass ich alleine mit dem Gebrauch dieses Worts komplett falsche Signale aussende; damit das Ausbringen von Giften in unsere Umwelt (wenn auch nur unbewusst und auch sicher nicht gewollt) legitimiere.

Daher, meine Bitte auch an Dich: Achte auch auf Deine Wortwahl und nenne das Kind beim Namen, ganz ohne Schönfärberei: «synthetische Pestizide» als Sammelbegriff, oder aber genauer «Kräuer-, Pilz- und Insektenvernichtungsmittel». Du wirst sehen, wie viel besser Du Dich dann fühlst! Mir jedenfalls geht es so.

Mit einem kräftigen Fischergruess, Dompy

 

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