Wir Angler spielen beim Erhalt und Management der Fischbestände eine meist unterschätzte, jedoch immer sehr zentrale Rolle. Daher macht es durchaus auch Sinn, dass Themen wie «Fangfenster» von uns direkt angesprochen werden.

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Entnahmefenster machen aktuellen wissenschaftlichen Studie zufolge Sinn – wenn sich die Fische selbständig vermehren können. Und sollen. Foto: ©Dompy

Über Entnahmefenster ist nicht nur in Deutschland unter Anglerinnen und Anglern eine kontroverse Debatte entbrannt. Es existiert dort beispielsweise der Vorwurf, dass das Entnahmefenster als Vorwand missbraucht werden könnte, die «Trophäenfischerei» durch die Hintertür zu legalisieren. Dass Entnahmefenster in Deutschland nach geltender Rechtslage nicht grundsätzlich gegen das Tierschutzgesetz verstossen können, zeigt allein die Tatsache, dass diese Massnahme in Hamburg bereits Teil des neuen Landesfischereigesetzes ist («fischernews» berichtete).

Allerdings sollte man bedenken, dass Entnahmefenster als Hegemassnahme fischereibiologisch nur für Fischarten Sinn machen, die sich erfolgreich in dem jeweiligen Gewässer vermehren – und dies auch tun sollen.

Was bedeutet «Entnahmefenster» überhaupt?

Entnahmefenster stellen nüchtern betrachtet erst einmal eine zusätzliche Einschränkung für uns Angler dar. Ohne Entnahmefenster kann der Angler selber entscheiden, ob er einen kapitalen Fisch, der ihm im Sinne der Hege für den Fortbestand seiner Art wertvoll erscheint, schonend und umgehend zurücksetzt, oder aber den Fisch dem Gewässer entnimmt. Bei einem Entnahmefenster würde nicht nur das Fangmindestmass definiert, wie das ja bereits jetzt der Fall ist, sondern auch das Fanghöchstmass. Bei einem solchen Fangfenster wäre der Angler verpflichtet, jeden Fisch, der das festgelegte Maximalmass übersteigt, umgehend und schonend zurückzusetzen.

Aktuelle wissenschaftliche Studien bescheinigen der Schonung kapitaler Fische übrigens sehr positive Effekte beim Erhalt der Fischbestände. Dies würde stark für eine Abkehr vom reinen Mindestmass und hin zum Entnahmefenster sprechen – aus rein hegerischen Gründen.

Entnahmefenster thematisiert

Der Deutsche Angelfischerei-Verband DAFV hat aus diesen Gründen anlässlich des Deutschen Fischereitags 2019 Entnahmefenster thematisiert. Unter reger Beteiligung zahlreicher Vertreter der Fischereibehörden und Verbände gab es auch einen Fachvortrag von Prof. Dr. Robert Arlinghaus vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei und der Humboldt-Universität zu Berlin. Arlinghaus gab Auskunft über bewährte Hegemassnahmen und über aktuelle Forschungsergebnisse neuer Ansätze, die in einer vor kurzem veröffentlichten Studie publiziert wurden.

Wenn man der Auffassung deutscher Verwaltungsrechtler folgt, wäre es, zumindest in Deutschland, nach geltender Rechtslage für Angelvereine als Hegetreibende rechtlich möglich, Entnahmefenster eigenverantwortlich festzusetzen. Und auch aus fischereibiologischer Sicht gibt es diverse Studien, die dem Entnahmefenster positive Effekte auf die Hege der Fischbestände zuschreiben.

Quelle: DAFV

Was meinst Du zum Thema «Entnahmefenster»? Diskutiere mit!

In Deutschland sind Entnahmefenster bereits Teil des neuen Landesfischereigesetzes von Hamburg. Anders in der Schweiz: Hier ist es nur aus einem Grund zulässig, einen Fisch, der das Fangmindestmass hätte, wieder freizulassen: Nämlich dann, wenn der Angler ihn als «ökologisch wertvoll» betrachtet (siehe «Vollzugshilfe Angelfischerei» des BAFU).

Was meinst Du zu dieser Handhabung? Sollen wir dabei bleiben, oder aber ebenfalls Entnahmefenster vorschreiben?

Ich bin gespannt, wie Du die Sache siehst!
Mit einem kräftigen Fischergruess, Dein Dompy

2 Kommentare

  1. Blödsinn, die grossen alten Fische gehören geerntet. Diese verhindern nur, dass starker Nachwuchs in genügender Menge nachkommt.
    Besser wäre, das Mindestfangmass um 50% herauf zu setzen. Damit wäre sichergestellt, dass sich wirklich alle Fische vermehren können. Die starken, für das Gewässer wertvollen Fische würden dann schon das Ihre dazu tun, dass schwachen nicht überhand nehmen.

  2. Hallo Dompy
    Fangfenster betreffen ausschliesslich Gewässer mit einem sehr guten Fischbestand. Dies ist bei uns leider schon lange nicht mehr der Fall, es werden immer wenige Fische in den Fliessgewässern gefangen und die wenigen kapitalen Regenbogenforelle würden die Masse im Fangfenster übersteigen. Ich bin überzeugt, dass weder im Liechtenstein, noch bei uns das Fangfenster akzeptiert würde. Ich ziehe es vor, einen Fisch nach persönlicher Entscheidung wieder schwimmen zu lassen, oder mit zu nehmen. Beides ist zum Beispiel im Alpenrhein der seltene Fall.
    Schade, dieses Thema ist theoretisch und bei uns wenig relevant! Ich würde es begrüssen, wenn du dich für die Verbesserung des schlechten Fischbestandes einsetzen würdest. Ohne die Akzeptanz der Regenbogenforelle und einem diesbezüglichen Fischmanagement wird sich in Zukunft nichts verändern, bzw. verbessern. Leider sind alle meine bisherigen Bemühungen erfolglos geblieben und fanden kein Gehör, weder beim BAFU, ANJF, SFV, etc.
    Ich danke dir aber für dein Engagement, vergiss aber die aktuelle und schlechte Situation nicht,
    Herzlichst
    Christoph

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