Sowohl das Fliegenfischen als auch das Fliegenbinden haben in der Schweiz hat eine lange Tradition. Bekannte Fliegenbinder wie Bickel, Ioset, Veya, Dublin, Kneubühler und weitere grosse Namen haben hierzulande Fliegen entwickelt, die wohl mehr Fische gefangen haben, als wir jemals wieder sehen werden.

Insekten machen, je nach Gewässer und Fischart, bis 80 Prozent der Fischnahrung aus. Und deshalb lassen sich beispielsweise Äschen und Forellen auch sehr gut damit fangen. Es ist aber extrem mühsam, die oft kleinen Insekten auf die Häkchen zu spiessen. Bereits im Altertum wurde deshalb mit künstlichen Fliegen gefischt.
Bei uns in Mitteleuropa liegt die Geschichte etwas im Dunklen. Erste Erwähnungen finden sich bei Wolfram von Eschenbach («Federangel», im Stück Parzival um 1210).
Detaillierte Fliegenbeschreibungen finden sich im Tegernseer Manuskript, bei Johannes Colerus, im spanischen Manuscrito de Astorga aber auch beim Schweizer Naturforscher Conrad Gessner.

Von «lästigen englischen Äschen»

Im 17. bis im 19. Jahrhundert haben dann die Engländer die Weiterentwicklung der Fliegen vorangetrieben und hunderte von Fliegenmustern entwickelt. Interessanterweise waren das vor allem Trocken- und Nassfliegen. Als erster hat dann Frank Sawyer anfangs des letzten Jahrhunderts auch Nymphen gebunden. Dies, weil er als Gewässerwart den Auftrag hatte, die lästigen Äschen aus dem Forellengewässer zu entfernen. Bekannt ist etwa seine Fasanenschwanznymphe oder eben der für Äschen tödliche Grayling Killer bug.

08 - Fischergilde Soubey1912
Fischergilde Soubey (1912) Erst Anfang des letzten Jahrhunderts wurde das Fliegenfischen, wohl unter dem Einfluss englischer Touristen, als eigenständiger Sport populär. Fachgeschäfte wurden gegründet, und der Bedarf nach fängigen Fliegen stieg an. Als einer der ersten gründete Charles Bickel um 1920 ein eigenes Fliegenbindeatelier – Mouches de Vallorbe – und beschäftige dort bis zu 20 Fliegenbinderinnen. Die Fliegenmuster wurden mit der Beschreibung der Bindematerialien feinsäuberlich in ein Buch eingenäht, damit Besteller nur die Nummer angeben mussten, um die gewünschten Fliegen perfekt nach Vorbild gebunden zu erhalten.

Fliegenbinden ohne Bindestock

Etwas, was früher alltäglich war, heute aber so fast nicht mehr praktiziert wird, ist das Binden ohne Bindestock – zwischen Zeigefinger und Daumen. Zwangsläufig machte dies die Muster etwas weniger komplex als die Heutigen – aber nicht weniger erfolgreich. Gebunden wurde nämlich nur, was auch wirklich Fische fing. Kein Schnickschnack, sondern einfache Muster aus Fäden und Hecheln – angepasst auf die Saison, die Gewässer und die Fischart. Die Beobachtungen, die direkt am Wasser gemacht wurden, flossen in die Muster ein.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ausschnitt aus dem Fliegenbuch «Mouches de Vallorbe» – die über 3000 Muster bieten heute noch eine Quelle der Inspiration für jeden Fliegenbinder.

Weiterentwicklungen in der Schweiz

Diverse Publikationen zeigen, dass auch in der Schweiz mit der Fliege gefischt wurde. Meist einfache Fliegen wurden an der langen Rute ohne Rolle an Pferdehaarschnüren angeboten.

Erst Anfang des letzten Jahrhunderts wurde das Fliegenfischen, wohl unter dem Einfluss englischer Touristen, als eigenständiger Sport populär. Fachgeschäfte wurden gegründet, und der Bedarf nach fängigen Fliegen stieg an. Als einer der ersten gründete Charles Bickel um 1920 ein eigenes Fliegenbindeatelier – Mouches de Vallorbe – und beschäftige dort bis zu 20 Fliegenbinderinnen. Die Fliegenmuster wurden mit der Beschreibung der Bindematerialien feinsäuberlich in ein Buch eingenäht, damit Besteller nur die Nummer angeben mussten, um die gewünschten Fliegen perfekt nach Vorbild gebunden zu erhalten.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Bickel 401 (1924)- die erste beschriebene CDC.

Die alten Muster – fängig wie eh und je!

Was damals heute erfolgreich war, ist es heute immer noch. Oder erst recht, denn die Fische sehen fast täglich die allseits bekannten «modernen Allerweltsmuster». Und sind wir doch mal ehrlich: Schon manch einer von uns hegt die Vermutung, dass Fische dazulernen und sich Köder einzuprägen fähig sind.

Ich erinnere mich noch gerne an den hochnäsigen tschechischen Fliegenfischer am Doubs, der sich über die bald hundertjährigen Fliegenmuster in meiner Fliegendose lustig machte. Bis ich ihn dann zu einem «two sides match» aufforderte. Dabei fischt man je von einer Flussseite abwechselnd auf denselben steigenden Fisch. Obwohl ich ihm immer den ersten Wurf überliess, musste er nach 3:0 entnervt aufgeben. Die «Moustique jaune» von Ioset (1934) hatte abgeräumt!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Korksedge (Neuenschwander, Münchenstein ca. 1960).
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Moustique jaune (Maximilien Ioset, ca. 1934).

Den Stolz über den Fang vervielfachen!

Etwas, das den Fang eines schönen Fisches noch toppt: Wenn man den Fisch mit einem selbst gebundenen Köder hat überlisten können – es gibt wirklich nichts Besseres! Daher: Versuche doch auch Du Dich im Binden von klassischen Schweizer Fliegen. Es ist einfacher, als Du denkst, und die optimale Beschäftigung für die nun langsam wieder länger werdenden Abende!

Dr. med. vet. Rolf Frischknecht
Politisch aktiver Fliegenfischer

 

Emmäbäsa – von Hand gebunden

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Zum Binden braucht man nur wenig:

  • Fliegenhaken Grösse 10 oder 12
  • Nähfaden in rosa (Original) oder gelb, grün, braun etc.
  • Hecheln (eher weich, von einheimischen Hähnen, am besten grizzlyfarbig)

Wie es geht, siehst Du – gezeigt von Heinz Kneubühler persönlich – im «Fischernews»-Video hier.

 

Schweizer Fliegen-Tradition hochhalten

Nur indem begabte Fliegenbinder von heute die erfolgreichen Muster von gestern nachbinden und fischen, kann dieses einmalige Kulturgut vor dem Vergessen bewahrt werden. Alles zu historischen Fliegenmustern und deren Bindern sowie Bindeanleitungen findest du unter  swissflies.ch

Wichtig zu wissen: Swissflies ist kein gewinnorientiertes Unternehmen. Eventuelle Gewinne werden für projektbezogene und politische Arbeit zugunsten unserer Gewässer sowie zum Ankauf und zur Konservierung von historischen Schweizer Fliegen verwendet. Weitere Hinweise auf bestehende Sammlungen historischer Schweizer Fliegen, auf Fliegenbinder, Bilder, Bücher etc. sind willkommen.